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Zwei Daumen…… für ein Halleluja

Geschrieben von: Manuel Kölker | 31.08.2009 |

Da früher alles besser war, schwappen die Retro-Wellen unermüdlich an die Gestade von Zeitgeist-Nostalgikern. Die Dinos der Videospiele sind immer noch die besten. Das würde zumindest die rasch wachsende Fan-Gemeinde an Retro-Videospielern sofort unterschreiben. Im Rückblick erscheinen die hakeligen Video-Games von einst als gleißende Relikte aus glorreichen Videospielzeiten.

Von David Zapp

Da entspannen die Oldies wie Puristen: Steuerknüppel und Steuerungskonsolen mit überschaubarer Button-Belegung ruhen in den Händen. In schmucklosen Kästen stecken übergroße Module. Auf dem Fernsehschirm wirken die Pixel-Spielfiguren klobig und ungelenk, die durch eckige und vorsintflutartige Levels ruckeln.
Es ist eine Zeitreise in die Jahre, als Videospiele das Laufen lernten. Fangemeinden und Sammler-Communities für diese Pionierzeit schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Opas der Videospielgeschichte erfahren derzeit eine ungeahnte Renaissance.

Als das Hüpfen und Rennen noch geholfen hat: Das Genre des Jump’n'Run feierte seine Hochzeit in den 80er und 90er Jahren, als das „Hüpfen und Rennen” noch geholfen hat. Meilensteine auf diesem Gebiet waren Super Mario und der rasende Igel Sonic. Der knuffige Klempner mit der roten Latzhose aus dem Hause Nintendo verdreht auf dem NES einer Videospielgeneration den Kopf, während der blaue Igel mit den Siebenmeilenstiefeln auf dem Master System von Sega ins Geschehen auf dem 8-Bit-Videospielemarkt eingriff. Der Spieler musste seine Spielfigur von links nach rechts steuern, Gegnern ausweichen oder plattmachen, Boni und Power-Ups einsammeln, Abgründe und Klippen überwinden. Und das alles mit nur zwei Daumen. Beide Hüpfer haben die rauen Zeiten des Geschäfts bis heute überdauert und halten sich bis heute als Maskottchen.

Helden, Dungeons und andere Welten: Nicht nur die Automatenumsetzungen
aus den Spielhallen sorgten auf den Konsolen für Furore. „Defender of the Crown” für Commodores
Wunderkiste C 64 ließ die Couch-Kartoffel an der Tastatur zum edlen Ivanhoe werden, denn das
Strategiespiel ließ den Spieler Burgen belagern und Ritterkämpfe ausfechten.
Als Nintendo Anfang der 80er Jahre seine Büchse der Pandora NES lancierte, war eine neue Ära auf dem Videospielemarkt eingeläutet. In dem Action-Adventure „The Legend of Zelda” schlich die pixelige Silhouette des Helden Link durch triste Dungeons (Verliese), löste dafür knackige Rätsel, schlug auf kaum erkennbare Monster ein und befreit eine grobschlächtige Prinzessin aus den Klauen des Finsterlings Ganon. Es galt eine riesige Ober- wie Unterwelt eines Königsreiches zu durchwandern, Ausrüstungsteile und Waffen einzusammeln, versteckte Durchgänge freizubomben und die Welt vor der Zerstörung zu retten.
Bei den alten Videospielen ist es wie mit Romanen - das wirkliche Szenario entspinnt sich vor dem geistigen Auge des Spielers. Es braucht noch immer die Macht der Fantasie, um in die Videospielwelt einzutauchen. Trotz des archaisch anmutenden Screen-Szenarios war das Daddeln früher schöner.

Ballern wie anno dazumal: Die ersten Ballerspiele der Videospielbranche dürften wohl „Arkanoid” und „Space Invaders” gewesen sein - zumindest im kollektiven Gamer-Bewusstsein. Im Stakkatostil senkten sich außerirdische Ufos im piepsigen Walzertakt auf die Erde nieder, nicht ohne die Behausungen der Erdenbewohner zu bombardieren. Mit einer kümmerlichen Raketenbasis rückte
man dem Feind aus dem All zu Leibe. Da hatte das Ballern noch Stil. Shooter galten in ihrer primitiven
Form bereits als Hits der Viedeospiele. Es bedurfte nicht des stundenlangen Studieren eines Handbuches, sondern konnte gleich losgehen.

Spielautomaten in der Wohnstube: Als Pac-Man erstmals die Pille einwarf, mussten Zocker die Münzgräber in Spielhallen noch mit ihrem Taschengeld füttern. Anfang der 80er war das mit dem Atari 2600 vorbei. Allein die Konsole wirkte unscheinbar, glich einer Endstufe für den Kofferraum eines aufgemotzten VW Polo. Wirft man das „schwarze Brikett” an und stöpselt den faustgroßen Joystick ein, kann man sich sofort ins große Abenteuer aus grobschlächtigen Pixeln und quietschenden Soundeffekten stürzen. Nun konnte man daheim mit dem pillensüchtigen Kugelkopf Pac-Man Hatz auf die lästigen Geister machen, die einem das Pillen-Auflesen zunichte machten. Schöne Zeiten waren das. Nun ist Pac-Man auch drei Dekaden später immer noch pillenanhängig, dafür muss er sein Unwesen in aufgemaschelten Spielchen treiben und in unzählig gelifteten Versionen herumspuken- neben Mrs. Pac-Man für alle Alice Schwarzers unter den Videospielerinnen.

Joystick-Gymnastik: Noch heute heult eine ganze Generation den schönen Zeiten des Commodore 64 (kurz C 64) hinterher. Eigentlich war dieser als erster PC für die eigenen vier Wände konzipiert worden, bot sich aber als Spielautomat ebenso an. Auf Salamischeiben-dünnen Disketten tummelten sich Klassiker wie „The Last Ninja” oder „Summer Games”. Wie viele Joysticks mussten ihren Geist aufgeben, bei dem Versuch sportliche Bestmarken bei den Sommerspielen aufzustellen oder in Kung-Fu-Manier seinen Kämpfer bei „The Last Ninja” durch die feindlichen Reihen zu fechten. Und der Retro-Trend bei Videospielen hat einen simplen Grund: Weniger ist mehr. Die Spielideen der ersten Videospiele sind bis heute noch unübertroffen, wurden unzählige Male kopiert, weitergeführt und auch unter den fortschreitenden technischen Möglichkeiten weiterentwickelt. Doch da liegt der Hase im Pfeffer begraben: Mit den grafischen Möglichkeiten und den optischen Darstellungsmöglichkeiten in 3-D, blieb der Kern eines Videospiels oftmals auf der Strecke.
Statt Spielspaß und ausgereiftem Gameplay verlieren sich die Spiele heutzutage allzu schnell in grafischem Pomp und verirren sich in optischer Opulenz. Die Spiele wirken nicht ausgereift und schlampig konzipiert. Und wer nun Wehmut verspürt, die Videospiele seiner Jugend mal wieder zu daddeln, krame seine alten Schätzchen vom Dachboden. Anschließen, einschalten und genießen. Der ganze alte Stoff ist doch immer noch das Nonplusultra. Denn die Retro-Games sind keine Antiquitäten für die Vitrine, sondern ein klarer Fall für den Modulschacht.

Plattformen im Netz:
http://monochrom.blog.volksfreund.de > Die besten Retro-Games im Volksfreund-Blog
www.nescenter.de > Die Jungs haben sich mit Herz und Seele dem NES von Nintendo verschrieben
www.classic-retro-games.com > Hier gibt’s alles über die alten Daddel-Schätzchen
www.classicgamesarcade.com > Das Beste der guten alten Zeiten
www.classic-zone.de > Widmet sich den 8-Bit-Systemen NES, Atari und Master System
www.retrovideogames.net > Retro-Konsolen und Games
www.lemon64.com > Rund um das Daddeln auf dem C 64

GLOSSAR
Adventure: Jargon für ein Abenteuerspielchen
Daddeln: das Spielen eines Videospiels, auch zocken
Dungeon: Verlies, Kerker, wo Monster lauern, den Helden zu meucheln
und wo Schätze und Prinzessinnen auf den Finder warten
Gamer: Spieler (hier Videospieler), auch Zocker oder Daddler
Joystick: Steuerknüppel zum Navigieren des Spielgeschehens
Joypad: analog zum Joystick, verfügt aber über ein Steuerkreuz statt
eines „Knüppels”
Spielmodul: Kassette, auf der das Videospiel gespeichert ist, können
auch mehrere sein
Pixel: Bildpunkt auf dem Bildschirm, aus diesen bestehen die Objekte
des Spiels (Sprites)
Power-Ups: Ausrüstungsgegenstände, die die Spielfigur verstärken
Retro-Games: die ersten und frühe wie alten Schätzchen der Videospielgeschichte
Screen: Bildschirm (Fernsehbild), da spielt sich alles ab
Shooter: ein Ballerspiel; vormals trat man mit Raumschiffen gegen Aliens an
Spielkonsole: Rechner-Konsole des Videospielsystems
Zocken: daddeln

Einsortiert unter: Allgemein

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Schöne Reise in die Vergangenheit :-) Aber ein bischen mehr Mühe bei der Texterstellung (Absätze, Überschriften, Links, Aufzählungszeichen) statt einfachem Copy And Paste würde den Lesespaß deutlich erhöhen.

Danke für die Info - ich war gerade dabei, weswegen es hier und da noch ein paar Absätze zu viel/zu wenig gab…

Sorry, dann war ich wohl zu schnell … meinen letzten Kommentar einfach nach dem Smiley abschneiden.

[...] gesamten Artikel kann man im spurwechsel-Blog nachlesen. Geschrieben von mcastro am 9. September 2009 :: Rubrik: Allgemein Sie können einen Kommentar [...]

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