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“Mit runden Bällen spielt doch jeder”

Geschrieben von: spurwechsel | 18.08.2009 |

Der Ball ist nicht rund, er ist oval wie ein Ei. Und so muss das bei der Sportart Rugby auch sein. Der Spurwechsel hat die Trierer Rugby-Mannschaften besucht und nachgehört, was das Besondere an diesem Sport ist und natürlich, warum der Ball eiförmig ist.

„Können wir jetzt mal zusammen passen?“, ruft Nadine Kintscher ihrer Spielkollegin zu. „Männer sind nämlich groß und stinken“, fügt sie grinsend hinzu. Solche frechen Sprüche fallen schon mal, wenn die Trierer Herren- und Damen-Rugbymannschaften gemeinsam Training machen und nach anstrengendem Konditionstraining völlig verschwitzt sind. Das Rugby-Spielfeld ist so groß wie ein Fußballfeld. Das Spiel an sich erinnert an verschiedene Sportarten.

„Rugby kommt aus England und ist eine Mischung aus Kampfsport, Handball und Fußball“, klärt David Dewald, zweiter Vorsitzender der Rugby-Abteilung des FSV Tarforst, auf. Rugby sei ein Kontaktspiel, das eine gewisse Härte habe, jedoch stark reglementiert sei. „Man darf alle Körperteile nutzen, um den Ball zu bewegen. Aber – und das unterscheidet Rugby von American Football oder anderen Ballsportarten – das Ei darf nur zurückgepasst werden.“ Warum? Weil sonst ja der Ball den Raum überwinden würde und nicht der Spieler.

Und schon geht es weiter. Das Rugby-Ei wird angespielt, der Ei-Führende rennt los. Der Gegner prescht hinterher, greift dem Eibesitzer im Sprung um die Oberschenkel und bringt ihn im Sturzflug zu Fall. Immer wieder versucht der Gegner zu „Tacklen“, so wird das schon beschriebene Umwerfen des Eibesitzers genannt. David erklärt weiter: „Dann entsteht ein Ruck, ein offenes Gedränge, in dem jeder versucht, das Ei für sich zu gewinnen.“

Das sieht gefährlich aus, muss aber sein, denn schließlich soll das Punktemachen des Gegners verhindert werden. Das passiert, wenn eine Mannschaft es schafft, das Rugby-Ei in der sogenannten Endzone abzulegen. Und das geht so: Die 15 Spieler einer Mannschaft laufen in Richtung gegnerisches Tor, passen dabei das Ei, das tief vor dem Körper gehalten wird, seitlich zurück zum nächsten Spieler. Das geht so weiter, bis das Ei – hoffentlich – in der Endzone des Gegners landet.

Dieser „Versuch“ bringt fünf Punkte ein. Nach jedem Versuch hat die Mannschaft die Möglichkeit, den Punktestand durch das Kicken des Eis durch die „Malstange“ (Tor bestehend aus zwei vertikalen hohen Stangen mit einer Querstange) zu erhöhen. Die Spieler unterteilen sich übrigens in acht Stürmer (Ball-Eroberer) und sieben Läufer (für geschicktes und schnelles Spiel verantwortlich).

Gelegentlich kommt es auch zu Fouls, obwohl „Rugby ein Sport fürGentlemen und –women ist und immer eine Frage der Ehre“, sagt David. Jedenfalls wird nach einem Foul das Spiel von einem der drei Schiedsrichter, der übrigens hier noch eine respektierte Institution ist, dessen Wort Gesetz ist, abgepfiffen. Er vergibt entweder eine „sin bin“ (Gelbe Karte), die den Spieler für zehn Minuten aus dem Spiel nimmt, um ihm etwas „Abkühlung“ zu verschaffen. Zeigt er die rote Karte, wird der Spieler für die gesamte Partie gesperrt.

Geht der Ball ins Aus, wird es richtig akrobatisch. Entweder bilden die Spieler beider Mannschaften eine „Gasse“, wobei links die eine, rechts die andere Mannschaft in Reihe steht. Dann stellt sich jeweils ein Spieler auf die Schultern der Kollegen – eine wacklige Angelegenheit – und versucht das nach oben eingeworfene Ei zu gewinnen.

Erfolgt ein tiefer Einwurf, wird es ebenfalls spannend. Dann verhaken sich jeweils acht gegenüberstehende Stürmer ineinander und beugen sich im Reißverschlussprinzip gegeneinander, so dass zwischen den Mannschaften eine Höhle entsteht. Dort hinein wird das Ei geworfen. Durch Wegdrücken der gegnerischen Stürmer versucht jede Mannschaft, den Ball für sich zu gewinnen.

Bei so viel Gedrängel und Körperkontakt kommt schnell der Gedanke, dass die Spieler ganz sicher einen dicken Panzer tragen und dick gepolstert sind. Weit gefehlt. Pflicht ist nur der Mundschutz. Ansonsten tragen die Trierer grün-weiß-gestreiftes Shirt und Socken, dazu eine schwarze, äußerst reißfeste Hose.

Mittlerweile gibt es in Trier eine Frauen-, eine Männer- und seit diesem Jahr eine Jugendmannschaft. Die Männer-Rugby-Tradition wird in Trier seit den Achtzigern, die der Damen seit zehn Jahren gepflegt. Sogar einen rheinland-pfälzischen Rugby-Verband mit neun Vereinen gibt es. Die Trierer Herren sind in der letzten Saison Rheinland-Pfalz-Meister geworden und spielen derzeit in der Regionalliga des Landes. Die Damenmannschaft behauptet sich mit sieben Spielerinnen in der Regionalliga West.

Wie man als Mädchen zu solch einer harten Sportart kommt? Sabrina Hornetz, Kapitän der Damenmannschaft, klärt auf: „Ich wollte Sport machen, fand aber alles doof. Dann bin ich durch ein Missverständnis zum Rugby gekommen. Ich wollte eigentlich American Football spielen. Seit viereinhalb Jahren bin ich jetzt dabei und finde es super.“<EA>Und das Gute daran: Teamarbeit ist gefragt. Einzelkämpfer können die Trierer nicht gebrauchen. „Sonst kann jeder Rugby spielen, egal, ob dick oder dünn, langsam oder schnell“, betonen David und Sabrina. „Wir können jeden integrieren.“

Nach so vielen komplizierten Spielregeln und Infos bleibt nur noch eine Frage: Warum ist der Ball im Rugby eigentlich ein Ei? Sabrina sagt grinsend: „Mit runden Bällen spielt doch jeder!“ Da hat sie wohl recht. Doch es gibt noch eine historische Erklärung für das ovale Spielgerät. David erklärt: „Rugby wurde früher mit Schweineblasen gespielt, und die waren nicht rund. Diese Tradition hat man beibehalten.“

Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst einmal Hand an das berühmte Rugby-Ei zu legen, kann sich im Internet unter www.rugby-trier.de alle Infos zu Trainingszeiten usw. holen. Dort sind auch Kontakt-Telefonnummern zu finden. Jeder ist willkommen – sehr gerne auch Nicht-Studenten.

Mandy Radics

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