Von Charles Dickens … ähm … Ursula Quickert und Annegret Schmitt
Vier Weihnachtsmärkte, drei Länder, zwei Volontärinnen, ein Tag: Alles Humbug? Nein! Wir haben uns auf die Suche nach dem Geist der Weihnacht gemacht – und dabei Michael Jackson gefunden. Lasset die Spiele beginnen!
Es waren einmal zwei Mädchen, die zogen zum zweiten Mal hinaus in die Welt, um den perfekten Weihnachtsmarkt zu finden. Auf ihrer Reise trafen sie auf Knoblauch-Hexen, Zauberhüte, aufgeblasene Schneemänner und … einen gar schaurigen Liedermacher.
Trier
10 Uhr, Regen: Unsere Reise beginnt. Wir ahnen nicht, was uns an diesem Tag begegnen wird. Wir tasten uns an die Weihnachtsstimmung heran – mit dem Soundtrack von Schlaflos in Seattle.
Saarlouis
11.15 Uhr, Regen: Louis Armstrong heißt uns im Saarland willkommen. Wie blind leitet uns unser Instinkt zur Tiroler Almhütte. Inmitten all der Kälte bietet sie gemütliche Wohligkeit. Und einen heimeligen Kamin. Auf einem Bildschirm.
Es gibt Kaffee – Weihnachtskaffee – mit Nelken, Zimt, Nelken, Muskat und Nelken. Irgendein Geschmack ist dominant. Aber welcher? Die ersten Besucher gönnen sich Fischbrötchen zum Frühstück und lassen sich von einem grellen Karussell blenden.
12 Uhr: George Michael singt Last Christmas. Gott sei Dank. Sogar der Himmel hat diese Botschaft verstanden. Es hört auf zu regnen, und Weihnachtsstimmung setzt ein. Unser Mittagessen besteht aus Knoblauch mit Zwiebeln und Champignons (Ursula: „Dieser Geschmack wird mich ein Leben lang begleiten“) und einer Lyonerpfanne. Ohne Lyoner. Währenddessen drehen übergewichtige saarländische Kinder mit Pinguinen ihre Runden auf der Eislaufbahn, und Handwerker schnitzen verschmitzte Schnitzfiguren.
12.30 Uhr: Egal. Wir entdecken einen Zipfelmützen-Stand und erkennen, dass uns Kindermützen mit Rentieren nicht mehr passen:
Ursula: „Ich hätte gern die Mütze mit dem Rentier.”
Verkäuferin: „Das ist eine Kindermütze.”
Ursula: „Sie wissen nicht, wie klein mein Kopf ist.“
Verkäuferin: „Sie wissen nicht, wie klein die Mütze ist.”
Sie war klein. (Wegen der seelischen und optischen Grausamkeit wird hier auf weitere Details verzichtet.)
Wir wagen uns einige Schritte in die Fußgängerzone hinaus. Dort wartet Michael Jackson auf uns, der die Welt heilen möchte. Nichts wie weg!
12.47 Uhr: Weiter geht’s! Mit Diana Krall versuchen wir die diabolischen Klänge aus unseren Gehörgängen zu vertreiben. Jingle Bells schläfert uns jedoch augenblicklich ein. Ein schlechtes Omen? Wir greifen zu Justin Timberlake. Hmmm…
Auf der Fahrt nach Thionville kommen wir an Orten wie Schreckling und Leiding vorbei – und so sehen sie auch aus.
Thionville
13.30 Uhr, Nieselregen: Trotz ausgedruckter Wegbeschreibung und Navi haben wir es geschafft, uns zu verfahren. Wenigstens ist der Parkplatz (Place de la Liberté) kostenlos. Finden dann doch noch zum Weihnachtsmarkt. Dort herrscht Leere. Gähnende Leere. Der Maronen-Verkäufer ruft … irgendetwas, das wir nicht verstehen. Kein Wunder, dass niemand Maronen kauft.
Selbst der Weihnachtsmann ist deprimiert.
Maronen-Verkäufer: „Lach doch mal!“
Weihnachtsmann: „Nein, ich hab doch den Bart.“
An den Ständen gibt es neben Vin chaud (also Glühwein) auch Guinness. Leider befinden sich noch nicht einmal in den blinkenden Buden Menschen. Selbstbedienung!
Der neu einsetzende Regen treibt uns in ein Café. Schön und überteuert. Auch hier heilt Michael Jackson die Welt. Diesmal sogar per Videobotschaften in Musik-Clips. Zeit, den Ort des vorweihnachtlichen Trübsinns zu verlassen.
15 Uhr: Selbst auf dem Weg nach Esch-sur-Alzette verfolgt uns Jacko. Im Radio.
Esch-sur-Alzette
15.30 Uhr, kein Regen (endlich!): Fast schon mediterran mutet dieser gottverlassene Weihnachtsmarkt an mit seiner afrikanischen Kunst und der kubanischen Musik. Ansonsten gibt es vor allem Karussells: Kinder können sich mit einer Bahn über den Grand Canyon katapultieren lassen, auf nostalgischen Pferdchen ihre Runden drehen oder im Standard-Karussell den Feuerwehrmann spielen. Doch sie tun es nicht. Was ist nur los mit den luxemburgischen Kindern? Wir sind schockiert.
Die Crêpes kommen hier noch aus der Pfanne, und wer die Tür im geheizten, aber verqualmten Zelt nicht richtig schließt, muss einen Euro zahlen. Weihnachten, das Fest der Nächstenliebe. Auch hier.
Um uns und den Menschen in unserer Umgebung ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, kaufen wir Rentiergeweihe mit Rentierschellen, die fortan unsere Häupter zieren. (Anne: „Ich werde sie nie mehr ausziehen!“) Doch die meisten Menschen, die uns sehen, verziehen keine Miene. Egal. Shake, shake it, baby!
15.40 Uhr: Wir geben der Escher Innenstadt eine letzte Chance und erkunden die nahegelegene Einkaufsstraße. Die Rentier-Haarreifen biegen sich im Wind. Kling, Glöckchen, klingelingeling.
Im CD-Laden läuft dieses Mal der echte Weihnachts-Michael. George Michael. Allerdings nicht Last Christmas. Wir gehen zurück zum Auto, das direkt unter dem Weihnachtsmarkt in einer Tiefgarage steht. Die kurzen Fußwege versöhnen uns mit dem ansonsten kläglichen Angebot.
Bitburg
18 Uhr, Regen (wieder!): Rein, raus, voll. Den Bitburger Weihnachtsmarkt haben wir schnell erkundet. Ein paar Buden stehen in der Hauptstraße, weitere am Postplatz. Am Kinderkarussell singt Wolle Petry Weihnachtslieder. Langsam dämmert uns, warum niemand hier ist. Wir wünschen uns augenblicklich George Michael Jackson zurück. Vergebens.
Da hilft nur Glühwein. Endlich. Er kommt in milka-lila Tassen und schmeckt richtig lecker. Ist das nicht alles, was zählt?
19.02 Uhr: Der Weihnachtsmarkt hat geschlossen, der Spanier nicht. Vor der Weihnachtsmusik können wir auch hier nicht fliehen. Michael heilt die Welt. Mal wieder. Und Band Aid möchte die Welt ernähren. Am Ende bleibt nur ein „Thank God, it’s Christmas“.
Fazit
Den schönsten Weihnachtsmarkt der Welt haben wir zwar nicht gefunden, dafür aber etwas Wichtiges gelernt: Vier Weihnachtsmärkte, drei Länder, zwei Volontärinnen, ein Tag: Es ist zu schaffen. Und es ist lustig. Jahr für Jahr. In diesem Sinne: Frohes Fest!
Öffnungszeiten der Weihnachtsmärkte
Weihnachtsmarkt Saarlouis
noch bis 30. Dezember
So – Do von 11 bis 21 Uhr
Fr + Sa von 11 bis 22 Uhr
Sonderregelung 24.12.2009 (Heiligabend):
11:00 bis ca. 15:00 Uhr
Globus Eis-Arena
So – Do von 11 bis 21 Uhr
Fr + Sa von 11 bis 22 Uhr
1,50 € für eine Eislaufzeit
(ca. 2 Stunden, je nach Eisbeschaffenheit)
Christkindlmarkt in Thionville
noch bis 3. Januar 2010
“Chrëschtmoart 2009″ Esch-Sur-Alzette
bis 23. Dezember, 11.30 bis 19.30 Uhr
Weihnachtsmarkt Bitburg
Öffnungszeiten: täglich von 12 bis 19 Uhr, Samstag von 11 bis 19 Uhr, Sonntag von 13 bis 19 Uhr, Donnerstag von 12 bis 21 Uhr
