Eine Weihnachts(markt)-Geschichte

Von Charles Dickens … ähm … Ursula Quickert und Annegret Schmitt

Vier Weihnachtsmärkte, drei Länder, zwei Volontärinnen, ein Tag: Alles Humbug? Nein! Wir haben uns auf die Suche nach dem Geist der Weihnacht gemacht – und dabei Michael Jackson gefunden. Lasset die Spiele beginnen!

Es waren einmal zwei Mädchen, die zogen zum zweiten Mal hinaus in die Welt, um den perfekten Weihnachtsmarkt zu finden. Auf ihrer Reise trafen sie auf Knoblauch-Hexen, Zauberhüte, aufgeblasene Schneemänner und … einen gar schaurigen Liedermacher.

Trier

10 Uhr, Regen: Unsere Reise beginnt. Wir ahnen nicht, was uns an diesem Tag begegnen wird. Wir tasten uns an die Weihnachtsstimmung heran – mit dem Soundtrack von Schlaflos in Seattle.

Saarlouis

11.15 Uhr, Regen: Louis Armstrong heißt uns im Saarland willkommen. Wie blind leitet uns unser Instinkt zur Tiroler Almhütte. Inmitten all der Kälte bietet sie gemütliche Wohligkeit. Und einen heimeligen Kamin. Auf einem Bildschirm.

Es gibt Kaffee – Weihnachtskaffee – mit Nelken, Zimt, Nelken, Muskat und Nelken. Irgendein Geschmack ist dominant. Aber welcher? Die ersten Besucher gönnen sich Fischbrötchen zum Frühstück und lassen sich von einem grellen Karussell blenden.

12 Uhr: George Michael singt Last Christmas. Gott sei Dank. Sogar der Himmel hat diese Botschaft verstanden. Es hört auf zu regnen, und Weihnachtsstimmung setzt ein. Unser Mittagessen besteht aus Knoblauch mit Zwiebeln und Champignons (Ursula: „Dieser Geschmack wird mich ein Leben lang begleiten“) und einer Lyonerpfanne. Ohne Lyoner. Währenddessen drehen übergewichtige saarländische Kinder mit Pinguinen ihre Runden auf der Eislaufbahn, und Handwerker schnitzen verschmitzte Schnitzfiguren.

12.30 Uhr: Egal. Wir entdecken einen Zipfelmützen-Stand und erkennen, dass uns Kindermützen mit Rentieren nicht mehr passen:

Ursula: „Ich hätte gern die Mütze mit dem Rentier.”

Verkäuferin: „Das ist eine Kindermütze.”

Ursula: „Sie wissen nicht, wie klein mein Kopf ist.“

Verkäuferin: „Sie wissen nicht, wie klein die Mütze ist.”

Sie war klein. (Wegen der seelischen und optischen Grausamkeit wird hier auf weitere Details verzichtet.)

Wir wagen uns einige Schritte in die Fußgängerzone hinaus. Dort wartet Michael Jackson auf uns, der die Welt heilen möchte. Nichts wie weg!

12.47 Uhr: Weiter geht’s! Mit Diana Krall versuchen wir die diabolischen Klänge aus unseren Gehörgängen zu vertreiben. Jingle Bells schläfert uns jedoch augenblicklich ein. Ein schlechtes Omen? Wir greifen zu Justin Timberlake. Hmmm…

Auf der Fahrt nach Thionville kommen wir an Orten wie Schreckling und Leiding vorbei – und so sehen sie auch aus.

Thionville

13.30 Uhr, Nieselregen: Trotz ausgedruckter Wegbeschreibung und Navi haben wir es geschafft, uns zu verfahren. Wenigstens ist der Parkplatz (Place de la Liberté) kostenlos. Finden dann doch noch zum Weihnachtsmarkt. Dort herrscht Leere. Gähnende Leere. Der Maronen-Verkäufer ruft … irgendetwas, das wir nicht verstehen. Kein Wunder, dass niemand Maronen kauft.

Selbst der Weihnachtsmann ist deprimiert.

Maronen-Verkäufer: „Lach doch mal!“

Weihnachtsmann: „Nein, ich hab doch den Bart.“

An den Ständen gibt es neben Vin chaud (also Glühwein) auch Guinness. Leider befinden sich noch nicht einmal in den blinkenden Buden Menschen. Selbstbedienung!

Der neu einsetzende Regen treibt uns in ein Café. Schön und überteuert. Auch hier heilt Michael Jackson die Welt. Diesmal sogar per Videobotschaften in Musik-Clips. Zeit, den Ort des vorweihnachtlichen Trübsinns zu verlassen.

15 Uhr: Selbst auf dem Weg nach Esch-sur-Alzette verfolgt uns Jacko. Im Radio.

Esch-sur-Alzette

15.30 Uhr, kein Regen (endlich!): Fast schon mediterran mutet dieser gottverlassene Weihnachtsmarkt an mit seiner afrikanischen Kunst und der kubanischen Musik. Ansonsten gibt es vor allem Karussells: Kinder können sich mit einer Bahn über den Grand Canyon katapultieren lassen, auf nostalgischen Pferdchen ihre Runden drehen oder im Standard-Karussell den Feuerwehrmann spielen. Doch sie tun es nicht. Was ist nur los mit den luxemburgischen Kindern? Wir sind schockiert.

Die Crêpes kommen hier noch aus der Pfanne, und wer die Tür im geheizten, aber verqualmten Zelt nicht richtig schließt, muss einen Euro zahlen. Weihnachten, das Fest der Nächstenliebe. Auch hier.

Um uns und den Menschen in unserer Umgebung ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, kaufen wir Rentiergeweihe mit Rentierschellen, die fortan unsere Häupter zieren. (Anne: „Ich werde sie nie mehr ausziehen!“) Doch die meisten Menschen, die uns sehen, verziehen keine Miene. Egal. Shake, shake it, baby!

15.40 Uhr: Wir geben der Escher Innenstadt eine letzte Chance und erkunden die nahegelegene Einkaufsstraße. Die Rentier-Haarreifen biegen sich im Wind. Kling, Glöckchen, klingelingeling.

Im CD-Laden läuft dieses Mal der echte Weihnachts-Michael. George Michael. Allerdings nicht Last Christmas. Wir gehen zurück zum Auto, das direkt unter dem Weihnachtsmarkt in einer Tiefgarage steht. Die kurzen Fußwege versöhnen uns mit dem ansonsten kläglichen Angebot.

Bitburg

18 Uhr, Regen (wieder!): Rein, raus, voll. Den Bitburger Weihnachtsmarkt haben wir schnell erkundet. Ein paar Buden stehen in der Hauptstraße, weitere am Postplatz. Am Kinderkarussell singt Wolle Petry Weihnachtslieder. Langsam dämmert uns, warum niemand hier ist. Wir wünschen uns augenblicklich George Michael Jackson zurück. Vergebens.

Da hilft nur Glühwein. Endlich. Er kommt in milka-lila Tassen und schmeckt richtig lecker. Ist das nicht alles, was zählt?

19.02 Uhr: Der Weihnachtsmarkt hat geschlossen, der Spanier nicht. Vor der Weihnachtsmusik können wir auch hier nicht fliehen. Michael heilt die Welt. Mal wieder. Und Band Aid möchte die Welt ernähren. Am Ende bleibt nur ein „Thank God, it’s Christmas“.

Fazit

Den schönsten Weihnachtsmarkt der Welt haben wir zwar nicht gefunden, dafür aber etwas Wichtiges gelernt: Vier Weihnachtsmärkte, drei Länder, zwei Volontärinnen, ein Tag: Es ist zu schaffen. Und es ist lustig. Jahr für Jahr. In diesem Sinne: Frohes Fest!

Öffnungszeiten der Weihnachtsmärkte

Weihnachtsmarkt Saarlouis

noch bis 30. Dezember

So – Do von 11 bis 21 Uhr
Fr + Sa von 11 bis 22 Uhr

Sonderregelung 24.12.2009 (Heiligabend):
11:00 bis ca. 15:00 Uhr
Globus Eis-Arena
So – Do von 11 bis 21 Uhr
Fr + Sa von 11 bis 22 Uhr
1,50 € für eine Eislaufzeit
(ca. 2 Stunden, je nach Eisbeschaffenheit)

Christkindlmarkt in Thionville

noch bis 3. Januar 2010

“Chrëschtmoart 2009″ Esch-Sur-Alzette

bis 23. Dezember, 11.30 bis 19.30 Uhr

Weihnachtsmarkt Bitburg

Öffnungszeiten: täglich von 12 bis 19 Uhr, Samstag von 11 bis 19 Uhr, Sonntag von 13 bis 19 Uhr, Donnerstag von 12 bis 21 Uhr

Kolumne: Gyros und Rock’n'Roll

Ein Trip mit der Band nach Ungarn. Das heißt Gyros und Rock’n'Roll – und nicht Gulasch, wie man irrtümlich denken könnte. Neben dem Konzert in einem Budapester Vorort namens Szentendre gehört sicherlich das Nachtleben der Hauptstadt zu dem Rock’n'Roll-Part des Programms.

Zwei Millionen Menschen wohnen dort. Schlafen gehört nicht zu ihren Lieblingsaktivitäten. Bars wie das Szimpla oder das Instant sind attraktiv. Eng, verwinkelt und gleichzeitig großräumig liegen sie versteckt hinter schäbigen Eingangstüren in einem der gut erhaltenen Altbauten der Budapester Innenstadt. Ein Bier kostet 380 Forint – umgerechnet etwa 1,50 Euro. Cocktails gibt’s für knapp vier Euro.

Zum Part Gyros gehört die Erkundung der ungarischen Küche. Und Gyros kann hässlich sein – zumindest in einer der Imbissbuden in der Nähe des Proberaums unserer befreundeten ungarischen Band. Gegenüber von einem altkommunistisch anmutendem Plattenbau steht sie gelb und rot – leuchtend im tristen, spätherbstlichen Regenschauer.

Wir freuen uns auf leckeres Gyros. Wir sind hungrig, das Frühstück haben wir verpennt. Doch dann kommt ein Plastikteller mit einem Haufen Tomaten und Zwiebeln samt Knoblauchsoße. Versteckt darunter entdeckt man nach kurzer Grabung ein paar Fleischbatzen und Pommes, die schmecken wie schon einmal verdaut. Mit einem Satz: „Ihr Deutschen, ihr esst doch alles“ – meinte unser ungarischer Bandkollege nach dem Mahl. Gyros ist zwar nicht wirklich ungarisch – findet man aber in Budapest so häufig wie Dönerläden in Berlin.

Typisch ungarisches Essen haben wir dann vor dem Konzert doch noch gefunden. Satt wurden wir davon allerdings nicht. Auf der Karte eines Restaurants in Szentendre stand es übersetzt ins Deutsche: „Jungfräulicher Baumstamm von Vereke“. Gesehen, gelacht, doch der Mut hat uns verlassen. An dieses exotische Gericht, das selbst unsere ungarischen Freunde in ihrer Landessprache nicht identifizieren konnten – wir vermuten, es war Currywurst – wollten wir uns dann doch nicht heranwagen. Damit haben wir dann auch das Vorurteil unseres Bandkollegen widerlegt. Christian Kremer

Spurwechsel-Tipp: “Ein perfekter Freund” von Martin Suter

Eines Morgens aufzuwachen und sich an nichts mehr zu erinnern: ein Alptraum, den Fabio Rossi erlebt. Als er im Krankenhaus die Augen öffnet, weiß er von den letzten 50 Tagen seines Lebens nichts mehr. Seine Freundin Marlen erkennt er nicht und was ihn als Journalist beschäftigt hat – auch davon hat er keinen blassen Schimmer. Schritt für Schritt macht er sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit und muss erkennen, dass sich sein Leben um 180 Grad gewendet hat. Seinen Job beim „Sonntag-Morgen“ hat er gekündigt und ist mit der PR-Assistentin Marlen liiert. Fabio Rossi steht vor einem Rätsel: Wie er mit ihr zusammengekommen ist und was ihn dazu gebracht hat, wegen ihr mit seiner Langzeitfreundin Norina Schluss zu machen? Während er mit Tai-Chi-Übungen und Gesprächen mit seinem Psychologen versucht, sein Leben vor der Amnesie zu rekonstruieren und sein altes Ego wiederzufinden, kommt er immer weiteren unerklärlichen Begebenheiten auf die Schliche. Wer hat sämtliche Dateien auf seinem Notebook gelöscht? Und warum hat er seine letzte Recherche vor allen anderen geheim gehalten?

Eine Entdeckungsreise durch die Vergangenheit beginnt. Umso näher Fabio der Wahrheit kommt, umso mehr scheint sich seine Umwelt gegen ihn zu verschwören. Seine Ex-Norina ist plötzlich mit seinem besten Freund Lukas zusammen. Und von Unbekannten wird er plötzlich attackiert.

Martin Suters Krimi bringt die Themen Liebe, Männerfreundschaft und angsteinflößende Szenarien aus der Lebensmittelindustrie zusammen. Hauptdarsteller Fabio verstrickt sich in einem Netz aus Rache und Wut. Alles dreht sich schlussendlich um die eine Frage: Was ist in den letzten 50 Tagen passiert? Anke Scholz

  • Martin Suter: Ein perfekter Freund. Der Roman ist im Diogenes Verlag erschienen und kostet als Taschenbuch 9,90 Euro.

Süßer die Töne nie klingen…

Die Weihnachtszeit ist eine musikalische Zeit. Doch wer spielt heute eigentlich noch Harfe, Orgel oder Blechblasinstrumente? Spurwechsel hat sich unter Jugendlichen aus der Region umgehört.

Von Verena Schüller

Rund zwei Drittel der Jugendlichen zwischen zwölf und 25 Jahren hören laut einer Shell Jugendstudie in ihrer Freizeit Musik. Etwas Kreatives machen – wie selbst Instrumente spielen – hingegen nur knapp 15 Prozent. Die größte Zahl der musikalisch Aktiven spielt Gitarre oder Klavier. Aber wie sieht es eigentlich bei den weihnachtlich anmutenden, etwas außergewöhnlicheren Instrumenten wie Harfe, Orgel oder tiefes Blech aus?

HARFE: An der Musikschule Trier gibt es zurzeit vier Harfenschüler von insgesamt 1000, wie Leiterin Pia Langer sagt. „Es sind allesamt junge Schüler unter 20“, berichtet Langer. Diese werden unterrichtet von Regina Israel. Natalie Lederer ist eine von Israels Schülerinnen. Die 16-Jährige aus Trier nimmt seit acht Jahren Harfen-Unterricht an der Musikschule Trier. Wieso ausgerechnet Harfe? „Ich habe mir das schon als kleines Kind in den Kopf gesetzt, weil ich von diesem Instrument immer schon fasziniert war“, sagt Natalie. Zum Glück konnte sie auch ihre Eltern davon überzeugen. „Mir gefällt der Klang so gut“, beschreibt sie ihre Liebe zur Harfe. Es sei halt einfach ein außergewöhnliches Instrument, das nicht jeder spiele. 2008 hat sie beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ den zweiten Platz im Regionalentscheid belegt. Zurzeit studiert sie im zweiten Semester als Jungstudentin an der Musikhochschule Saarbrücken, während sie die elfte Klasse in Trier besucht. Sie sieht es als Vorteil, dass sie durch die Harfe Gelegenheit zu Soloauftritten bekommt. „Ab und zu spiele ich aber auch in einem Orchester mit“, sagt sie. Überwiegend spiele sie klassische Stücke, aber es gebe auch mittlerweile moderne Kompositionen für Harfe. Nach ihrem Abitur möchte Natalie auch etwas mit Musik machen: „Ich möchte nicht unbedingt Musik studieren, aber vielleicht in Richtung Musiktherapie gehen.”

KIRCHENORGEL: An der Musikschule des Eifelkreises Bitburg-Prüm wird auch Kirchenorgel unterrichtet. „Hier haben wir drei Schüler bei einer Gesamtzahl von rund 1570 Schülern“, sagt Anja Schaefer. Diese werden von Joachim Oehm unterrichtet, der seit knapp zehn Jahren an der Musikschule lehrt. Lachend beschreibt er das Fach Kirchenorgel als „Paradiesvogel-Angebot“. Aber die Zahl der Schüler habe sich gesteigert. Anfangs war es nämlich maximal einer. „Es scheint sich zu etablieren“, sagt der ausgebildete Kirchen- und Schulmusiker. Erfreulich: „Überwiegend habe ich junge Schüler.“ Einer davon ist der 14-jährige Raphael Lehnert aus Badem. Bereits seit sechs Jahren nimmt er Klavierunterricht. Seit Oktober lernt er zusätzlich bei Oehm das Orgelspiel. „Ich habe einige Orgelkonzerte besucht und war so fasziniert von dem Klang, dass ich es selbst ausprobieren wollte“, sagt Raphael, der die neunte Klasse des St. Willibrord- Gymnasiums in Bitburg besucht. Zum Glück kann er in der Bademer Kirche an der dortigen Orgel üben, ansonsten wäre es kaum möglich, Kirchenorgel zu lernen. „Es war am Anfang schon eine Umgewöhnung vom Klavier, nun auf der Orgel mit den Füßen die Pedale zu spielen“, gibt der 14-Jährige zu. Aber es mache ihm sehr viel Spaß, sagt Raphael. Er hofft darauf, in einiger Zeit auch mal Gottesdienste auf der Orgel begleiten zu können – vielleicht in seiner Bademer Heimatgemeinde. Außerdem plant er ein Musikstudium.

TIEFES BLECH: Tiefes Blech erklingt viel zur Weihnachtszeit. Dazu zählen Horn, Tenorhorn, Euphonium, Posaune und Tuba. „In diesem Bereich gibt es allgemein Nachwuchsprobleme“, sagt Frank Wilhelmi, Leiter der Musikschule Bernkastel-Wittlich. 58 von insgesamt rund 1630 Schülern würden derzeit in tiefem Blech in Bernkastel-Wittlich unterrichtet. Jürgen Lejeune, seit 20 Jahren Tubist im Orchester am Theater Trier, lehrt seit 1991 an der Musikschule. „Überwiegend erlernen Kinder und Jugendliche die Instrumente“, sagt er. Es gäbe aber auch einige ältere Schüler, die ihr musikalisches Wissen auffrischen würden. Tiefes Blech sei immer noch eine männliche Domäne – besonders die Tuba. Zurzeit unterrichtet er sechs Tubisten. Lejeune: „Aber Tuba kann man nie genug haben.“ Vor allem sei die Literatur auch über die Jahre interessanter geworden. „Früher wurden fast nur Polka-Märsche gespielt“, sagt Lejeune. Heute gebe es besonders bei der sinfonischen Blasmusik ein breites Repertoire. Auch Blechbläserquartette und -quintette hat er schon aus seinen Schülern gebildet. Einer dieser Schüler ist Johannes Praeder aus Lüxem. Der 16-Jährige nimmt seit vier Jahren Tuba-Unterricht bei Lejeune und hat 2008 am Wettbewerb „Jugend musiziert“ teilgenommen. Zunächst spielte er Klavier, bis der Musikverein Lüxem in der Schule unterschiedliche Instrumente vorstellte. „Damals habe ich zum ersten Mal die Tuba ausprobiert“, erzählt Johannes. „Tuba hat mir am meisten Spaß gemacht.“ Was er an dem Instrument schätze? „Es ist etwas Besonderes, etwas komplett anderes, das nicht jeder spielt.“ Das Ausgefallene daran mag er. Zwar mache das Üben allein nicht so viel Spaß, aber da er im Musikverein Lüxem mitspielt, lohnt sich die Mühe. „Das Ergebnis zusammen mit den anderen Musikern ist dann schon beeindruckend“, sagt der Gymnasiast, der das Cusanus-Gymnasium Wittlich besucht. Vor allem seien in dem Verein zahlreiche jüngere Musiker dabei – selbst im tiefen Blech. „Früher war ich auch in der Jugendarbeit des Vereins aktiv“, erzählt der Elftklässler. Zum Beruf wolle er die Tuba nicht machen, aber es sei ein schönes Hobby nebenbei.

 

KONTAKT: Die Musikschulen der Region bieten eine große Vielfalt an musikalischem Unterricht. Nähere Informationen gibt es direkt bei den Musikschulen: Musikschule der Stadt Trier, Domfreihof 1b, 54290 Trier, Telefon 0651/718-1440, www.trier.de/musikschule. Musikschule des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Trierer Straße 1, 54634 Bitburg, Telefon 06561/15-2231, www.musikschule-eifelkreis.de. Musikschule des Landkreises Bernkastel-Wittlich, Kurfürstenstraße 16, 54516 Wittlich, Telefon 06571/14-398, www.bernkastel-wittlich.de/musikschule.html. Musikschule des Landkreises Vulkaneifel, Bergstraße 14, 54550 Daun, Telefon 06592/985420, www.musikschule-vulkaneifel.de.

Angeklickt und angehört!

Das Internet ist ein Meer voll von Gratismusik. Es braucht nur einen Strohhalm, um sie aufzusaugen. Dabei ist hier die Rede nicht von illegalen Download-Portalen wie RapidShare, Bittorrent & Co. Bei den folgenden Beispielen ist alles sauber. Eine Reise durch die Welt der Netlabels.

Von Patrick Wiermer und David Zapp 

Immerhin 40 Prozent aller amerikanischen Internetbenutzer laden MP3s herunter. Durchschnittlich hat jeder User 305 Musikdateien auf seinem Rechner gespeichert, die 25- bis 34-Jährigen sogar 721 Dateien. Das berichten zumindest amerikanische Internetdienste.

Alles Raubkopien? Falsch! Längst machen legale MP3-Downloads einen gewichtigen Teil der Musiksammlung aus. Das MP3-Portal iTunes meldete im vergangenen Jahr bereits, über fünf Milliarden Songs per MP3 über das Netz verkauft zu haben – früher haben sich in den Wohnungen MCs und CDs gestapelt, heute wird Musik terabyteweise verkauft. Doch aus dem Hauptmarkt, der von Apple und Co. dominiert wird, haben sich in den Weiten des Netzes schon seit Jahren Gegenkulturen gebildet, die sich gegen die Uniformität und den Konsum der Pop-Musikindustrie wehren – mit der mächtigsten Waffe: Die Musik wird gratis unters Volk gebracht.

Dabei marschieren die Netlabels vorweg. Netlabels sind reine internetbasierte Plattenfirmen, die neue Vermarktungswege für junge Künstler eröffnen: Es werden keine CDs mehr gepresst, Musik wird nicht über den Fachhandel, sondern meist direkt auf den eigenen Labelhomepages vertrieben. Dabei sind einige Künstler auch selbst ihr eigenes Label. Denn die Songs sind in der Regel gratis herunterzuladen. Viele Alben werden lediglich per Spendenprinzip verkauft.

Für viele Künstler rechnet sich daher der Vertriebsweg Internet längst noch nicht, der Anteil der Netlabels am gesamten Umsatz in der Musikbranche ist noch recht gering. Doch sie sind eine Möglichkeit, zumindest einmal gehört zu werden. Daraus können sich dann zum Beispiel Chancen für Auftritte – oder gar für Plattenverträge – ergeben. Andere Netlabels verstehen sich als reine Gegenbewegung zum Kommerz und Uniformismus der Pop-Musikbranche – und verzichten deshalb auf eine finanzielle Gegenleistung. Die Musik wird in der Regel als „Creative Commons“ (deutsch: für den gemeinschaftlichen Nutzen bestimmt) vertrieben. Sie ist urheberrechts- und Gema-frei, sie kann frei vervielfältigt, auf der eigenen Party gespielt und zum Teil auch beliebig verändert werden.

Die Netlabels schaffen einen universellen Musikkosmos, in dem sich unbeschreiblich viele Möglichkeiten ergeben. Dabei machen sie vor allem Nischenmusik leicht verfügbar: Von Flamenco, indischer Sitar-Musik, japanischen Trommelklängen bis hin zu Merengue und Salsa. Oder man nimmt Teil an den neuesten Underground-Sound aus den englischen Industriestädten. Man kann sich durch die Welt hören, mit einem Klick. Jeder Benutzer kann sich so seinen eigenen perfekten Mix erstellen. Wir stellen erste Anlaufstellen vor – ihre Liste lässt sich aber fast beliebig erweitern.

Katalogware: Das Kernstück der Netzmusik bleiben die Netlabels. Ihre Zahl wächst täglich, so auch die Anzahl an Veröffentlichungen von Künstlern. Für die ersten Schritte in der Welt der Netzlabel bieten sich Netlabel-Kataloge an. Die Musikmagazine Phlow und De:bug, um nur zwei zu nennen, bieten auf ihren Homepages gute und aktuelle Übersichten über aktuelle Neuerscheinungen und neue Labels an.

Der Vorteil: Sie sind redaktionell betreut, qualitativ minderwertige Produktionen werden von vorneherein ausgeschlossen. De:bug aus Berlin hat sich dabei auf das Kerngeschäft der Netlabels spezialisiert: elektronische Musik, auch aus den kleinsten Nischen. Das Phlow-Magazine aus Köln erfasst und bespricht auch Veröffentlichungen aus dem Hip-Hop- und Indie-Bereich. Weitere Anlaufstellen im Netz: wundertunes.de, wesharemusic.com, numia.org, rowolo.de, netaudio.blogspot.com

Künstler aller Länder

Mit mehr als 9000 Künstlern und über 200000 Musiktiteln hat sich Jamendo von Luxemburg aus zu einem der größten Portale für „freie Musik“ entwickelt. Hier ist vor allem Musik zu finden, die nicht über die
Netlabels vertrieben wird. Die Seite finanziert sich über Werbung, deren Gewinn zu 50 Prozent an die Künstler ausgeschüttet wird. Die Musiker selbst bieten ihre Alben im Spendenprinzip an. Die Musik kann per tags (Schlagwörter), wie Folk, Indie oder Pop oder auch nach den Herkunftsländern der Künstler gesucht werden. Zu den Künstlern und ihrer Musik gibt es mehr oder weniger viele Informationen. Die Alben können von den Usern bewertet werden.

Der Sound des Grammofons mit der Technik des Internets

Noch exotischer als Nischen der elektronischen Musik dürften heute zumindest Aufnahmen auf Schellack-Platten für das gute alte Grammofon sein: Im Internet ist das sympathische Knacken, Krächzen und Röhren der alten Scheiben bald wieder lauter zu hören. Das Urheberrecht (in Deutschland) sieht vor, dass alte Aufnahmen 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers „public domain“ (öffentlicher Besitz) werden. Damit steht auch der Digitalisierung und Verbreitung der Ton-Schätze nichts mehr im Wege, das Netz wird zur Fundgrube. Doch halt: Es muss im Einzelfall geprüft werden, ob tatsächlich kein Urheberrechtsanspruch mehr vorliegt, indem der Vervielfältigungsschutz zum Beispiel nicht verlängert worden ist. Außerdem gelten in anderen Ländern andere Fristen. Eine gute Sammlung von Musik, die in den öffentlichen Besitz eingegangen ist, bietet das Open Music Archive. Schnell wird allerdings deutlich, dass im Bereich der Public Domain Musik vieles noch ausbaufähig ist: Ganze Alben findet man aufgrund des komplizierten Urheberrechts, das für jeden Songs einzeln angewandt wird, wohl selten.

Unendliche Weiten

Vom riesigen Empfangs-Portal der Seite Archive.Org mit zahlreichen Suchmöglichkeiten sollte man sich erst einmal nicht abschrecken lassen und die schier endlose Weite der gemeinnützigen (!) Kultur-Plattform eher als Einladung zum Flanieren und Stöbern annehmen.Wenn es heißt, hier gibt es alles, so heißt das nicht, dass es hier das neue Robbie Williams-Album für lau zu saugen gibt. Hier sehen sich eher – aber eben nicht ausschließlich – die Geschmäcker alternativer Musikfans bedient. Jazz, Rock, Elektronik, Klangexperimente wie Heavy Metal der ausgesuchteren Art. Von Metallica bis Herbie Hancock, Coldplay bis Megadeath, Rammstein bis Grönemeyers WM-Hymne.Vor allem Bootlegs (nicht autorisierte Live-Mitschnitte von Konzerten) von bekannten Bands oder von Formationen speziellerer Musikrichtungen haben hier ihren Platz, der ihnen in den CD-Regalen von Saturn und Co. nicht gewährt wird. Da lohnt sich das ziellose Suchen wie auch das genaue Stochern nach bisher ungehörten – oder auch ungesehenen Klamotten seiner musikalischen Lieblinge. Denn neben Audio-Files stehen Podcasts, Videos, Texte und Bilder zum Download bereit. Selbst ganze Filme – Murnaus Stummfilm-Klassiker Nosferatu lässt sich hier in DVD-Qualität auf den heimischen PC holen.Nein, das Archiv ist keine Müllhalde für den Schrott von jedermann. Eher ein Kultur-Youtube. Selbst mit nur ein paar Brocken Englisch dürfte das Navigieren gelingen. Leider ist die Plattform keine besonders große Fundgrube für deutschsprachige Schätze.

Bonbons für die Fans

Die Smashing Pumpkins haben es getan, auch Nine Inch Nails und Coldplay – sie haben Alben über das Netz verschenkt. Damit machen sie nicht nur Fans eine Freude. Nichtkennner haben so die Chance, die neueste Musik bekannterer Künstler legal und kostenlos kennenzulernen. Ganze Alben sind aber oft noch die Ausnahme, immerhin bietet aber fast jeder Künstler aus den Charts erste Songs, zum Teil vor der Veröffentlichung, zum Gratis-Download an. Eine erste Anlaufstelle für MP3s von den bekannteren Bands findet man auf Tonspion.de. Die Musik kann recht bequem alphabetisch, nach Datum oder Genre gesucht werden. Die Seite finanziert sich gänzlich über Werbung und Kaufempfehlungen bei diversen Internet-Musikhandlungen.

Rockiges aus Hüttingen

Es lebe der Rock! Frank Rohles lebt ihn. Das Vorbild des Musikers aus Hüttingen an der Kyll ist Queen – er ist beim Queen-Musical und gar mit Roger Taylor und Brian May selbst aufgetreten. Das ist auch seinem neuen Album „Time“ zu hören. Musik, die sich glasklar vom ehrlichen Rock leiten lässt. Rohles mag das Tempo, da hat übertriebener Schnörkel keinen Platz. Der 41-Jährige bewegt sich zwischen Rock, Metal und Balladen, lässt immer die Gitarre nach allen Kräften gewähren, sie sich Guns N’Roses oder Jon Bon Jovi nähern. „Pearly“ – sein selbst konstruiertes Leibinstrument – fordert sein Recht ein. Und Dank seines Klang-Repertoires kommt Rohles ganz ohne Keyboard aus. Beim Stück „She is my life“ bricht sich auch der Musical-Einfluss die Bahn in den Reigen der Songs. Dank der Mehrstimmigkeit, die hier und da an die Eagles erinnert, kommen die Emotionen aber ohnehin nicht zu kurz. Beim letzten Titel „Desert of love“ verdeutlicht spanische Gitarrenmusik schließlich, wie viel vom Lebenslauf des in Spanien geborenen Frank Rohles in diesem Silberling steckt. Ohrwurmqualitäten haben seine Stücke durchweg. Zwar klingen die Songs oft ähnlich, aber dafür eben auch ähnlich gut. Sehr gut sogar. „Time“ ist eine von A bis Z solide und zeitlose CD, die keine Experimente wagen muss. Ursula Quickert

Spucken wie asoziale Lamas

Da könnte ich in einen Blutrausch geraten – keine Angst , ich bin Pazifist. Nur meine Gedanken sind es nicht. Ich rege mich über rotzende Jugendliche auf. Hat man mal ein freies Sitzplätzchen an einer Bushaltestelle oder auf dem Bahnsteig erspäht, dann hat irgendein Vollidiot das Terrain um die Sitzmöglichkeiten mit seinem Speichel markiert – rundherum in allen Spielformen von Farbe und Konsistenz. Nebenei: auf deutschen Bahnhöfen ist das Rauchen verboten. Das Rotzen hingegen nicht. Also stehen sie da, versuchen vor ihren Kumpels lässig zu wirken, indem sie neben und vor sich rotzen. Supercool! Lamas spucken aber nur dann, wenn man ihnen auf den Senkel geht. Daraus schließen wir: spuckende Asis müssen sich für strunzdumme Lamas halten. Wir haben für solche Unmanieren noch eins hinter die Löffel gekriegt, aber die heutige Jugend könnte bei derartigen Erziehungsmaßnahmen psychischen Schaden erleiden. Sozialstunden dafür wären fein – schrubben auf Bahnsteigen und an Bushaltestellen.

David Zapp

Operation: Promille-Brille

Von Julia Kalck 

 

„Versuchen wir es mal mit 0,8 Promille“, sagt Wolfgang Lübeck von der Polizei Trier zu mir. Doch statt eines Getränks reicht er mir eine unförmige Plastikbrille.

Ich sitze im Fahrsimulator im Beratungszentrum der Polizei in der Trierer Innenstadt. Gerade eben noch habe ich mich mit dem Gerät vertraut gemacht. Ein Reaktionstest ergab: 0,73 Sekunden Reaktionszeit – alles bestens.

Jetzt soll ich also mit einer Brille vor der Nase fahren, die meinem Körper vorgaukelt, ich hätte 0,8 Promille Alkohol im Blut. In der Tat sehe ich erstmal alles doppelt. Das ist aber nicht das Entscheidende, erklärt mir Wolfgang Lübeck: „Die Brille wirkt sich auf das Gleichgewichtsempfinden aus, auf das räumliche Sehen und auf das Gesamtempfinden unter Alkoholeinfluss.“ Gesamtempfinden. Stimmt, lustig macht das schon mal. Dann geht es los. Ich gewöhne mich an die etwas andere Sicht. Läuft doch ganz gut – denke ich.

Ich muss mich zwar schon mehr konzentrieren, um auf der Straße zu bleiben. Aber die Wahrnehmung ist doch verzerrt: Ständig korrigiere ich meine Richtung, lenke gegen. In Wirklichkeit fahre ich ordentliche Schlangenlinien. Hätte ich nie gedacht. Der Reaktionstest fällt für mich hingegen noch ganz gut aus: wieder 0,73 Sekunden.

Gerne hätte ich noch die nächste Reaktionsübung am Fahrsimulator gemacht. Diesmal mit der Brille, die einem 1,3 Promille vormacht. Daraus wird nichts. Noch bevor das große Stoppschild auf dem Bildschirm aufblinkt, auf das ich mit Bremsen reagieren soll, krache ich in einen LKW, der mir auf der Gegenfahrbahn entgegenkommt. Nach 50 Metern Fahrt, die damit zu Ende ist. Amüsiert bin ich gerade nicht mehr, eher geschockt. „Die wenigsten wissen, dass die Kasko-Pflicht der Versicherungen entfällt, wenn man einen Unfall unter Alkohol- oder Drogeneinfluss verursacht“, betont Wolfgang Lübeck. Ab 0,3 Promille komme man außerdem schon in den strafbaren Bereich.

Ein zweiter Versuch. Diesmal fahre ich etwas weiter – aber wie! Wären wir jetzt im echten Leben, hätte ich womöglich einen Menschen auf dem Gewissen. Denn da läuft jemand über die virtuelle Straße – das realisiere ich erst ein paar Sekunden später. Die rote Ampel nehme ich überhaupt nicht wahr. Ich sehe nicht mal, dass es eine gibt. Und ich fahre langsam. Sehr langsam. Beuge mich nach vorne. „Das ist ganz typisch“, bestätigt Lübeck. Ich habe genug vom Autofahren.

Nächste Übung: Auf einer Linie gehen mit 0,8 Promille vor der Nase. Was einfach klingt, wird zu meinem persönlichen Desaster. Denn ich schaffe es nicht, auf der Klebebandlinie auf dem Asphalt zu gehen. Das Schlimme daran: Ich denke schon wieder, ich bin in der Spur. Die verwirrten Passanten und mein amüsierter Kollege, der mich dabei fotografiert, beweisen etwas anderes. Und schließlich auch mein Gleichgewichtssinn – ich schwanke beträchtlich, bewege mich, als würde ich auf einem Seil balancieren.

So langsam fühle ich mich auch ein bisschen betrunken. Leichter Schwindel, flaues Gefühl. Die Brille wirkt nun noch stärker als im Fahrsimulator. Wie viel muss ich trinken, um auf 0,8 Promille zu kommen? „Die Frage höre ich immer wieder“, sagt Lübeck, der die Promille-Brille auch viel in Schulen ausprobieren lässt. Es sei aber von vielen Dingen – zum Beispiel vom Körpergewicht – abhängig, ab wie viel Bier der Grenzwert von 0,3 Promille erreicht sei. Für Fahranfänger in der Probezeit und Fahrer unter 21 Jahren gilt ohnehin der Wert 0,0. Also am besten gar nichts trinken.

Jetzt fahre ich mit einem Tretroller an vier kleinen Hütchen vorbei. Im Slalom. Nun ja, Fahren kann man das nicht nennen. Ich schleiche mich mehr an den Hütchen vorbei, mehr geht nicht.

Dennoch gibt es Verluste: Von vier bleiben gerade mal zwei stehen. Kaum verwunderlich, dass ich auch die Abschluss-Übung unbefriedigend absolviere: Bälle und Frisbee-Scheiben fangen kann man „alkoholisiert“ auch vergessen. Die wenigen erfolgreichen Landungen des Tennisballs in meinen Händen hake ich mal unter Zufall ab.

Am Ende bin ich froh, dass ich die Brille wieder abnehmen darf. Ich sehne mich danach, wieder auf sicheren Füßen zu stehen, wieder volle Kontrolle über mein Gleichgewicht zu haben. Als ich einige Minuten später wieder in mein richtiges Auto steige, ist der Schwindel verschwunden. Ein etwas flaues Gefühl aber bleibt.

 

 

Bob – nüchtern ist cool: Bob ist eine Aktion des Polizeipräsidiums Trier, die es seit April 2009 gibt. Bob bezeichnet denjenigen, der in einer Gruppe beim gemeinsamen Ausgehen nüchtern bleibt. Er fährt die anderen so später sicher nach Hause. Die Aktion kommt ursprünglich aus Belgien. Das Erkennungszeichen von Bob ist ein Schlüsselanhänger mit dem gelben Bob-Schriftzug. Zeigt „Bob“ den Schlüsselanhänger an einem Autoschlüssel in einer der teilnehmenden Kneipen vor, bekommt er ein alkoholfreies Getränk kostenlos oder mit Rabatt. Die Schlüsselanhänger gibt es auch in den TV-Service-Centern Trier, Bitburg und Wittlich. Eine Liste, in welchen Kneipen der Region das gilt, findet ihr unter www.bob-trier.de (jka)

 

Jedes dritte Opfer ist zwischen 18 und 24: Alkohol und Autofahren passen nicht zusammen: Generell gilt für junge Fahrer unter 21 Jahren und in der Probezeit eine Promille-Grenze von 0,0. Für alle anderen liegt die Grenze bei 0,3 Promille. Im Bereich des Polizeipräsidiums Trier (Eifelkreis Bitburg-Prüm, Vulkaneifelkreis, Kreis Trier-Saarburg, Kreis Bernkastel-Wittlich, Stadt Trier, Kreis Cochem-Zell, Kreis Birkenfeld) gab es im ersten Halbjahr dieses Jahres 212 Alkohol-Unfälle (gesamt 2008: 467 Unfälle, 2007: 512). Die Gesamtzahl der Alkoholunfälle ist damit kontinuierlich gesunken. Jedes dritte Unfallopfer im Zusammenhang mit Alkoholunfällen ist zwischen 18 und 24 Jahren alt (36 von 102 Unfällen). Jeder vierte Alkoholunfall wurde im ersten Halbjahr 2009 durch einen jungen Fahrer (18 bis 24 Jahre) verursacht (54 von 207 Unfällen).  Dabei ist es nicht nur ein bisschen Alkohol. In den vergangenen beiden Jahren ereignete sich die Mehrzahl aller von jungen Fahrern unter Alkohleinflusss verursachten Unfälle im Zustand absoluter Fahruntüchtigkeit, das heißt, mit 1,1 und mehr Promille Blutalkohol. Im ersten Halbjahr 2009 waren es 21 von 54 Unfällen. (Quelle: www.bob-trier.de)

 

Spurwechsel-Tipp: “Coraline”

Coraline ist sauer. Erst ziehen ihre Eltern mit ihr in ein Haus, in dem scheinbar nur seltsame, unfreundliche Nachbarn leben. Und dann kümmern ihre Eltern sich nicht einmal um sie, weil sie nur mit sich selbst und ihrer Arbeit an einem Gartenkatalog beschäftigt sind. Ihr Vater ist ständig genervt, und ihre Mutter ist nicht einmal imstande, ein normales Essen auf den Tisch zu bringen. Da entdeckt Coraline eine geheime Tür. Und was für ein Zufall! Hinter dieser Tür existiert eine Parallelwelt mit einem freundlichen Zuhause, in dem sich Vater und Mutter herzlich um Coraline kümmern. Die Nachbarn sind gesprächig. Und der Garten um das Haus ist nicht trist, sondern wunderschön und voll erblüht. Coraline bekommt Geschenke, Leckereien, Liebe. Hier leuchten die Farben, auf dem Tisch stehen Pizza, Hot Dogs und Creme-Muffins. Abgesehen von den seltsamen schwarzen Knöpfen anstatt normaler Augen sind die Abbilder ihrer Eltern viel lustiger. Doch nichts ist so, wie es scheint. Manche Türen sollten besser nie geöffnet werden. Und schnell entwickelt sich der Traum in Coralines Alptraum, in dem Augen durch Knöpfe ersetzt werden sollen und hinter netten Fassaden auf einmal Monster auftauchen, die das Mädchen nicht wieder in ihr altes Leben zurücklassen wollen. Und so muss Coraline ihren ganzen Mut zusammennehmen und mit einer sprechenden Katze und dem Jungen Wybe nicht nur sich, sondern auch ihre echten Eltern und andere in der Parallelwelt gefangene Kinder befreien.

Regisseur Henry Selick kreierte schon das Stop-Motion-Meisterwerk „Nightmare before Christmas“. Nun hat er ein neues Werk geschaffen. Einen märchenhaften Trickfilm in drei fantastischen Dimensionen (3D-animiert), der an Tim Burtons zauberhaft-düstere Trickfilme erinnert und doch seinen ganz eigenen Charme besitzt. Mandy Radics  

Kolumne: Heutzutage? Neiiiin!

Ich kröne das Unwort der Gegenwart: heutzutage. Heutzutage ist alles schlecht – die Politiker, die Jugend, das Essen, das Fernsehprogramm. Immer und überall sprechen Leute darüber. Wie egoistisch die Menschen doch geworden sind, dass sich niemand mehr um den anderen kümmert, dass den Jüngeren alles egal ist. Klar, früher war alles besser. Es gab keine Kriege, keine Arbeitslosigkeit, und die Jugendlichen trugen tags wie nachts Messdienerkutten oder Pfadfinder-Outfits – plus Heiligenscheine. Wenn ich solche Früher-war-alles-besser-Gespräche mit anhören muss, schreit es in mir von den Zehen- bis in die Haarspitzen nach Revolte. Die meisten Menschen, zumindest in Deutschland, haben „heutzutage“ ein annehmliches Leben, das „früher“ nur Reiche genossen. Der Lebensstandard ist gestiegen – und wir wissen ihn nicht mehr zu schätzen. Oder hat er uns etwa zu diesen angeblich habgierigen, egoistischen Bestien gemacht? Des Pudels Kern: Jeder von uns gestaltet die gegenwärtige Gesellschaft mit. Wenn also wirklich früher alles besser war, dann sollten sich gerade die, die so reden, schnell daran machen, für Besserung zu kämpfen. Und nicht nur die Schuld bei anderen suchen, sondern auch bei sich selbst. Sich bewegen statt stillzusitzen und laut zu klagen. Oder ist etwa gar nicht alles so schlimm? Schon Aristoteles schrieb übrigens „unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen”. Manches ändert sich eben doch nicht. Ursula Quickert